Der Augustowski Kanal. Eine Dokumentation aus dem Kanu.

Weblinks

>> Wikipedia polnisch
>> Webseite zum Kanal polnisch

Der Kanal Augustowski schafft eine Verbindung zwischen den Flußsystemen der Weichsel und der Memel. Aus der Sicht eines Paddlers allerdings verbindet er die Flüsse Czarna Hancza und Biebrza. Er besteht aus 18 Schleusen und ist 102 km lang. Zwischen Czarna Hancza und Biebrza sind es 72 km.

debowo_01

Geschichte

1824 erhöhte Preußen

die Einfuhrzölle für Waren aus Kongreßpolen, Litauen und Russland. Dies war eine Reaktion auf die Erhöhung der Zölle für ausländischen Waren durch den russischen Zaren. Aus dieser Situation heraus, entstand die Idee, einen Kanal zu bauen, der das preußische Staatsgebiet nicht berührte. Sämtliche Schifffahrtswege aus Polen (Weichsel und Memel) an die Ostsee, waren an der Küste preußisch. Kongreßpolen unterstand zwar dem russischen Zaren, war aber in einem bescheidenen Rahmen autonom. Hauptarchitekt des Kanalbaus war der polnische General Pradzynski (1792-1850), Militäringeneur, er diente unter Napoleon und war wesentlich am polnisch-russischen Krieg von 1831 beteiligt. So konnte 1824 mit Genehmigung des Zaren der Kanalbau begonnen werden. Ziel war es, eine beidseitige Schiffbarkeit zwischen Weichsel und Memel herzustellen und den Kanal an der preußischen Memelmündung vorbei über die litauischen Flüsse Dubissa und Windwa in die Ostsee zu führen. Fertiggestellt wurde bis 1829 der Weg zwischen Biebrza und Memel. 2 Gründe verhinderten die Vollendung des Baues. Einmal der Krieg zwischen Polen und Rußland und zum anderen nahm Preußen 1825 die Zollerhöhungen zurück. Ausbesserungsarbeiten setzten sich bis 1839 fort, das Ziel des Kanalbaus wurde nicht erreicht.

Der Bau

Die Architekten waren polnische Militäringeneure, die Maurer für die Schleusen kamen aus Preußen, die Kanalgräber waren jüdische Tagelöhner. Gearbeitet wurde im Sommer von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, der Lohn betrug 1,5 Zloty pro Tag.

Der Bau war gewissermassen die Wiege der polnischen Zementproduktion: der eben erfundene Portlandzement wurde hier eingesetzt.

Die Fahrt

auf dem Kanal beginnt, hat man die Czarna Hancza hinter sich gelassen kurz vor der Schleuse

Sosnowek

sosnowek_01
Sosnowek liegt mitten im Wald und ist nach Aussage des Museumsführers des Kanalmuseums in Augustow von allen die Schönste.

sosnowek tor sosnowek schleusenkammer sosnowek schleusenkammer oben
Geschleust wird hier um 3 m nach oben. Sämtliche Schleusen des Kanals werden mit der Hand betätigt. Die Hebelarme sind ungefähr 7 m lang. Das Schleusen kostet pro Kajak 3,2 PLN.

Sollte es langsam Abend werden, ist Sosnowek ein hervorragender Platz zum biwaken.

In die Schleuse

Mikaszowka

gelangt man nach einem kurzen Kanalstück.

mikaszewo

Geschleust wird über 2,5 m nach oben.

An der Schleuse gibt es einen Imbiß, sowie einen Laden.

Nach 2 kleineren Seen gelangen wir auf den Mikaszewo See.

mikaszsee.jpg

Ein See mit azurblauem Wasser! Am rechten Ufer gibt es 2 sehr schöne Biwakplätze, die Paddlern reserviert sind. Einer liegt ungefähr in der Mitte, der zweite an der Enge am Ende des Sees.

mikaszsee_01.jpg

Der See mündet in ein kurzes Kanalstück und man gelangt zur Schleuse

Perkuc

perkuc tor

perkuc haus perkuc raus

von wo es über den Krzywe See

jez krzywe

zur Doppelschleuse

Paniewo

geht. Es gibt außer Paniewo nur noch 1 Mehrkammerschleuse. Es ist die Schleuse Niemnowo, die den Kanal mit der Memel verbindet. Sie besitzt 3 Kammern.

paniewo 01

Paniewo ist meine Lieblingsschleuse. Sie überwindet eine Höhe von fast 7m, die Schleusenzeit beträgt über 30 min. Man wird durch 2 Kammern nach oben geschleust, wobei die untere und die obere Kammer gefüllt werden. Dann wird das Wasser der oberen Kammer abgesenkt, sodass beide Kammern das selbe Niveau haben. Sind nur kleine Boote in der Schleuse, paddelt man aneinander vorbei. Nun wird die obere Kammer gefüllt und die untere abgesenkt.

paniewo mitte paniewo mitte oben paniewo mitte oben 02 paniewo obere kammer

Ein Wohnfloss: floss was gerade so in die Schleuse passt und nur mit grosser Mühe langsam an den glitschigen Wänden weitergeschoben werden kann.

Der Kanal wurde, da ja die geplante Schiffahrtsverbindung nie zustande kam, bis 1990 lediglich für das Flössen von Holz genutzt. Das Holz wurde in den Wäldern an der Czarna Hanzca geschlagen, einige der dortigen Biwaks sind ehemalige Holzplätze, floss mit dem Fluss und wurde auf dem Kanal per Treidelweg von Pferden gezogen. Die Flösse waren oft über 100 m lang und mussten zum Schleusen auseinandergebaut werden. Der Dokumentarfilm: „Der Weg des Baumes (Holzes)“, zu sehen im Kanalmuseum in Augustow, zeigt dies sehr anschaulich.

Der Schleusenwärter verkauft die in der Gegend üblichen, mit Blaubeeren gefüllten Kuchen. Ausserdem gibt es einen Imbiß, sowie ein Restaurant. Obwohl die Anlage des Restaurants sehr schön ist, konnte uns (Sommer 2006) das Essen nicht überzeugen.

Ein längers Stück führt über den Paniewo See, Paniewo Kanal (die längeren Abschnitte des Kanals Augustowski haben Eigennamen), Orle See, Orle Kanal zur Schleuse

Gorczyca

gorcyca

In den Jahren 1997-2002 wurde die Schleuse renoviert. Hier wird man das letzte mal nach oben geschleust. Wir befinden uns nun 124 m über dem Meer. Zum Vergleich: die Memel hat an der Kanalmündung eine Höhe von 84 m über dem Meer.

Am linken Ufer des Gorczyca Sees gibt es 2 angenehme Bauernbiwakplätze. Leider existiert der Laden an der Schleuse nicht mehr.

gorczyca see

Von hier geht es über See und Kanal weiter, bis zum Zufluss der Sucha Rzeczka, ein Flüsschen, das aus dem Serwy See kommt. Dieser versorgt den Kanal in beide Richtungen mit frischem Wasser. Unmittelbar dahinter befindet sich die Wasserscheide zwischen Weichsel und Memel.

Wer ein paar Tage Zeit hat, kann die 2 km flussaufwärts fahren, muss dann allerdings ein Wehr umtragen (Bootswagen kann ausgeliehen werden) um auf der letzten Insel des Serwy Sees zu zelten.

serwy

Tipp: Man muss nicht gleich am Badestrand der Insel anlegen, sollte um die Insel herumfahren um vielleicht eine bessere Zeltsstelle zu finden.

Der Platz wird vom PTTK verwaltet, es gibt auch Hütten zu mieten und eine Bar.

Hinter dem Zufluss der Szucha Rzeczka fahren wir auf dem Kanal Czarnobrodzki, 3,5 km davon sind schnurgerade.
czarnobrodzki kanal

Dieses, nun ja nach Czarna Hanzca, schönen Seen und kurzen Kanalabschnitten erste recht lange Stück veranlasst mich, einiges zur Wasserqualität zu sagen. Sämtliche Seen und auch die Kanalabschnitte haben sehr sauberes und klares Wasser. Selbst im Kanal sieht man fast immer den Grund, der zwar schlammig, aber von einer vielseitigen Flora bewachsen ist.

Swoboda

ist die erste Schleuse, die abwärts
swoboda

swoboda kammer

und zum Studzieniczne See (dt. Brunnen-See) führt. Leider wurde sie in den 70er Jahren durch Umbaumassnahmen ein wenig verhäßlicht.

Auf dem See wird man nun auch des Öfteren Motorbooten und den Ausflugdampfern aus Augustow begegnen.

Auf dem Studzieniczne See hält man sich am besten halb rechts, auf die Halbinsel zu, nach der Halbinsel fährt man links an der Insel vorbei und gelangt zur Schleuse

Przewiez

erbaut durch einen Baumeister namens Shultz im Jahre 1826.
przewiecshultz

An der Schleuse gibt es mehrere Läden und Imbisse.

Willkommen im Massentourismus. Zumindestens fühlt man sich so, wenn man die Motorbootgeräsuche auf dem Biale-See hört. Trotzdem gibt es am rechten Ufer einige schöne Biwaks, die man sich aber leider mit Autofahrern teilen muss. Trotz Allem ist der See wunderschön, das Wasser sauber.

Gewitter auf dem Biale See

Gewitter über dem Jez. Biale im Anzug.

Ein Gewitter kommt hier manchmal etwas plötzlicher als in Deutschland!

Je nach Windrichtung geht es nun schneller oder langsamer bis zum Ende des Sees. Man fährt auf die Halbinsel rechts zu und immer geradeaus. Links öffnet sich am Ende des Sees eine große Bucht und man sieht die Häuser von Augustow-Port. Am Beginn der Bucht ist eine Badestelle mit Bootsverleih und man kann dort Zelten. Zum Bahnhof von Augustow läuft man mit Gepäck eine Viertelstunde. Auf unserer ersten Tour wählten wir diesen Platz und konnten die ganze Nacht nicht schlafen, da laute und betrunkene junge Menschen dies verhinderten. Das muß aber nicht immer so sein, also gut drauf achten, was man für Nachbarn hat. Auf der anderen Seite der Bucht sieht man deutlich den Yachtclub der polnischen Offiziere, ein Gebäude aus den 30er Jahren.

Das Ende der Bucht mündet in einen Kanal, der Biale- und Necko-See verbindet.

Hat man die laute Straßenbrücke, über die tagaus tagein der Transitverkehr nach Litauen rollt, unterquert, gelangt man in den Jez. Necko, benannt nach dem Fluß Netta, die seinen Abfluß bildet.

Links reihen sich Hotelanlagen, eine Wasserskimaschine und laute Zeltplätze aneinander, von rechts kommt die Rospuda, die auch ein sehr schöner Paddelfluß sein soll.

Hinter dem Zeltplatz im Kiefernwald befindet sich der Ausfluß der Netta. Nun hat man mehrere Möglichkeiten, zu übernachten.

  • nach 100 m rechts ist eine Staniza Wodna PTTK, mit Hotel, Bootsverleih, Jachthafen und Hütten. Wir haben 2x recht preiswert in dem Hotel übernachtet, der Komfort ist mäßig, das Restaurant dafür aber sehr gut. Die Hütten sind leider meist belegt, besonders in den Ferien. Gezeltet werden darf hier nicht. Es ist aber kein schlechter Ort, wenn man noch weiter fahren und sich für 2 Tage der Stadt Augustow widmen will.
  • Wer jedoch nur auf seinen Bootsverleiher wartet und noch am selben Tag oder am nächsten Morgen abreisen will, kann 3-400m weiterfahren. Dort führt kurz vor der Brücke links ein kleines Fließ zu einem Zeltplatz neben einem Hotel. Ruhe wird man hier nicht finden, denn in unmittelbarer Nähe führt die Uferpromenade vorbei. Auch gibt es mehrere Freiluftkneipen. Wer den Abschluß der Fahrt feiern will, ist hier richtig.
  • Wer Ruhe sucht und Augustow links liegen lassen will, der fährt den Kanal Bystry weiter. Dazu muß man sich nach der Brücke links halten und Wehr und Straßenbrücke umtragen. Laut Aussage anderer, soll der Sajno-See sehr schön und ruhig sein und es gibt dort mehrere Stellen zum Biwaken. Wem das Umtragen zu mühselig ist, der kann auch den Umweg über die Schleuse Bialobrzegi zum Sajno-See nehmen.
  • Außerdem gibt es in Augustow eine Menge an Hotels und Pensionen…

Sehenswert ist die Stadt

Augustow

auf jeden Fall!

Augustow >> GoogleMaps

Augustow >> Wikipedia

Augustow_1 Augustow_2 Augustow_3

Unsere Hochlichter von Augustow

  • Die Uferpromenade links und rechts der Netta wurde 2005 fertiggestellt und lädt zu einer kleinen Rundwanderung ein. Man beginnt an der Brücke, läuft zum Hafen, an Museum und Schleuse vorbei und kehrt auf der anderen Seite der Netta zurück. Einkehren kann man dann im
  • Gartenrestaurant an der Uferpromenade (ca. 100m vor Brücke)
  • Der Wochenmarkt verkauft leckeres Obst und Gemüse aus der Region.
  • Das Museum des Augustowski Kanals befindet sich auf einer Insel zwischen Kanal Bystry und Netta. Der Führer spricht zwar nur ein wenig Deutsch, gab sich aber mit uns viel Mühe. Wir sahen den Film „Der Weg des Baumes/Holzes“, der über die Arbeit der Flößer an Czarna Hancza und Kanal Augustowski in den 50er Jahren erzählt.
  • Im Restaurant Maska kann man sehr lecker essen.

©Andreas Hansche
maska staniza wodna pttk strasse zur netta

wochenmarkt augustow park neben der kirche netta