Dzukijos Upe. Ula. Ein Kajak-Reisebericht.

Die Ula mäandert im Süden Litauens. Sie entspringt in Weißrussland und fließt durch die Wälder und Dörfer des Dzukischen Nationalparks.

Zugfahrt nach Zervynos

Wir fuhren über Warschau mit dem Nachtzug. Sestokai ist ein Grenzort schon auf litauischer Seite. In Augustow wurden zuvor noch einmal Waggons abgekoppelt. Wir fuhren mit drei Waggons weiter und saßen in einem kuriosen Fahrradabteil mit Holzbänken, das über den Sitzen keine Absperrung zum anderen Abteil hatte. Wo normalerweise die Spiegel waren, schauten wir in ganz andere Gesichter. In Sestokai stiegen wir in einen Waggon mit Samowar und heißem Wasser, Gardinen und einer Zugbegleiterin, die uns Kaffee brachte.

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Das Dorf Zervynos im Dzukija Nationalpark im Süden von Litauen steht unter Denkmalschutz.

In Zervynos trafen wir den Kajakvermieter Arturas am Bootshaus und mieteten bei ihm ein Kajak für die nächsten vierzehn Tage. Wir fuhren zuerst die Ula hinunter und anschließend den Merkys.

Die erste Nacht zelteten wir in Zervynos auf Arturas Biwak. Es gibt Wasser aus dem Brunnen. Da es keine Einkaufsmöglichkeit in Zervynos gibt, fuhr Andreas morgens mit dem Zug nach Varena. Dort gibt es mehrere Supermärkte. Er kam mittags wie die Einkäufer des Dorfes zurück. Die Zugankunft war ein Ereignis im Dorf. Morgens fahren die Pensionäre ohne Auto nach Marcinkonys oder Varena zum Einkaufen und mittags kommen sie zurück. Der Zug hält sieben Mal am Tag in Zervynos und fährt dreimal die Strecke von Vilnius bis nach Marcinkonys und zurück.

 

Transfer nach Krokslys

Ausgestattet mit einem Faltblatt auf deutsch, wo die einzelnen Biwakplätze eingezeichnet sind, ließen wir das Boot in Krokslys ins Wasser. Auf dem Faltblatt sind sogar die Fahrzeiten zwischen den Biwaks aufgeschrieben, die für unsere Reisegeschwindigkeit auch zutrafen. In Arturas Kajak geht allerhand hinein. Es hat genügend Stauraum durch die Klappe hinten im Boot.


Krokslys zum Ula-See

Die Strecke ist nicht anspruchslos, da wir uns erst einpaddeln mussten. Es waren einige Hindernisse zu umfahren, vorallem Bäume im Wasser und mit Gras bewachsene Inseln aus Baumwurzeln in der Mitte des Flusses. An einigen einzeln in der Mitte stehenden und an umgestürzten Bäumen vorbei, fuhren wir Slalom. Einige Paddler verhedderten sich und kenterten. Gelb hatte sich als Blumenfarbe am Ufer durchgesetzt, z.B. gelbe Lilien.

Am Ula-See

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Wir zelteten auf einer Anhöhe am Ula-See.

Ula-See bis Pauosupe

Auf der Strecke bis Pauosupe sind viele Bäume im Wasser. Hier wurde aber soviel ausgesägt, dass der Hintern eines Kajaks durchfahren konnte.

outhpim5670.JPG Staudamm in Rudnia

Wir standen mit unserem Zelt auf einer riesengroßen Blumenwiese in einer Flussbiegung. Auf der einen Seite säumt den Platz Erlenwald, ein Laubbaum bot Schatten zum Dösen und unzählige Käferarten kamen fliegend und summend vorbei. Nach der kalten Nacht am Ula See war es plötzlich heiß geworden. Nach einer Gewöhnungsphase war das Bad im klaren Flusswasser erfrischend wie ein Eisgetränk von außen. Eine Mücke verpasste mir ein dickes Auge trotz unserer großen Flasche Zedan. Damit schmierten wir uns in der Mückenflugstunde kurz vor Sonnenuntergang ein, damit wir uns einige von den tausenden Stichen ersparten.

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Pauosupe bis Zervynos

Es gibt Tonhügel unter Wasser. Wir waren wieder beim Kajakvermieter Arturas. Er fuhr Andreas nach Marcinkonys, um Eintrittskarten, für den Nationalpark zu holen, die bis zur Merkys Mündung gelten.

Zervynos bis Trakiskai

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Die Ula mit plätscherndem kleinen Wildwasser ist bezaubernd schön. Vor einer ausgesägten Stelle lag ein Baumstamm quer zur Strömung und es war einiges Geschick gefragt, um mit trockenem Gepäck weiter zu fahren. Es gibt Sandbänke, die wir zum Baden ausgiebig nutzten. Wir schwammen mit der Strömung. Blaue Libellen saßen auf weiß blühenden Wasserpflanzen. Am Ufer standen stark duftende Blüten und blaue Kerzenblumen.

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Es ist ein Märchenwald durch den die Ula fließt und einen Steilhang gebildet hat – Inlanddünen vor Trakiskai.

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Weidenhaine werden von Baumgeistern bewacht. Wir klauten ihnen Holz und machten ein Feuer an. Den Platz teilten wir mit einer litauischen Schulklasse, die eine eigene Sprache aus litauischen und russischen Fetzen neu zusammen setzte.

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Trakiskai bis zur Ula-Mündung in den Merkys

Vor dem Dorf Pauliai gibt es eine kleine Abfahrt. Unterwegs sind wieder Sandbänke zum Baden. Dann fließt die Ula in den Merkys. Das kalte Wasser der Ula trifft auf das wärmere Wasser des größeren Merkys.

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