Drweca

Nach einer interessanten Busreise durch das nördliche Polen kamen wir in Ostroda an. Wir bauten unser Faltboot zusammen und verstauten unsere Sachen in Packsäcke. Ein Biwak am See der Stadt Ostroda war nicht mehr da, stattdessen wurde eine neue Strandpromenade gebaut. So steuerten wir über den Jezerio Drweckie gegen den Wind bis in den letzten Zipfel des Sees. Es dämmerte als wir auf dem Campingplatz ankamen. Am nächsten Tag paddelten wir auf eben jenem See zurück und brachten anschließend die windige Seenkette hinter uns. Wir rasteten an der Ausfahrt des Kanal Eblaski, wo es eine Notbiwakstelle gab. Auf dem Kanal fährt der Dampfer von Ostroda nach Elblag, der auf der Strecke über einen Berg gezogen wird. Der See wurde schmaler und wir fuhren durch große Seerosengebiete. Im Schilf brüteten Rohrsänger, Enten und Haubentaucher. Raubvögel kreisten über dem Schilf und stürzten auf das Schilf nieder. Daraufhin attackierten wiederum mehrere Rohrsänger die Raubvögel, die vorerst abziehen mussten. Hier waren wir in einem fast unbewohnten Landstrich, wo das Regelwerk der Vögel gilt, sofern es das gibt. Am Ufer beobachtete das Geschehen ein Kormoran-Clan.

Die Einfahrt zur Drewenz oder die Ausfahrt aus dem See begleiteten wieder Kormorane, die auf alten Holzpfählen am Rand Platz genommen hatten. Zwei Tage blieben wir in Samborowo auf einem Campingplatz, wo die Badestelle für das Dorf als Freizeittreff für Jugendliche angelegt war. Der Weg zum Sklep war zwei Kilometer entfernt.

Am übernächsten Tag hatten wir eine Hammerumtrage vor uns. Wir hatten unser Boot über einen aufgeschütteten Bahndamm zu heben. Uns half ein Angler, der unser Boot mit über die Böschung buckelte. Wir waren alle schweißgebadet.

Das Wasser der Drewenz war sauber und ungefähr hüfthoch. Es gab viele Sandstellen zum Baden, einmal als ein Wiesenfluss, das andere Mal mit Erlen am Ufer oder Schilf bewachsen. Am Steilufer nisteten Schwalben und flogen blaue Libellen von einer Schwanenblume zur nächsten.

Am Kilometer 155 kam die Ilawa in die Drewenz. Es war auch ein wunderschöner Biwak, der es lohnte allein hier einen 14tägigen Urlaub zu machen. Den Platz teilten wir mit einer konfliktreichen polnischen Familie (drei Jungs, das Ehepaar, Oma, Opa und die Hunde).

Während des nächsten Fahrtages sahen wir Wasseramseln und einen Fischotter mit einem Fisch im Maul. Viele Sandstrände luden wieder zum Baden ein. Am Abend gab es Regen. Wir kamen im Regen in Nowe Miasto Lubawski (km 136) an und zelteten im Garten einer Pension. Die Städter leiteten ihre Kloake in den Fluss, dass wir erstmal für einige Kilometer auf das Baden verzichteten.

Der nächste Fahrtag war gemütlich. Wir zelteten auf einer Wiese. Abends konnten wir vier Kraniche beobachten, die hintereinander am Waldrand entlang spazierten. Dann begann ein windungsreicher Abschnitt um eine Hügelkette herum. Unter Gewitterwolken kamen wir in Bachotek an. Hier erholten wir uns einen Tag im Hotel vom PTTK (polnischer Touristik und Sportverein). Wir wandereten durch die weite masurische Hügellandschaft und kauften im Dorf Pokrzywno ein.

Über den klaren See bei Bachotek fuhren wie wieder in die Drewenz zurück, die jetzt schon dreißig Meter breit ist. Es kommen weniger Sandplätze. Wir fuhren bis nach Brodnica und zelteten auf einer Halbinsel, wo ein Camping des PTTK sich befindet. Darauf gibt es einen verwaltenden Prezes (Vorsteher), der stadtbekannt ist und auch noch ein verliebter schriller Platzwebel mit Arkodeon und Hang zum polnischen Tango. In der Altstadt von Brodnica haben die Leute wenig Zeit und eilen von Geschäft zu Geschäft.

Danach fuhren wir durch Wiesen bis zum Kilometer 67. Dort gibt es einen Biwak, wo sich abends die Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern treffen. Den ganzen Tag schwirrten Libellen übers Wasser, denn es gab direkt über dem Wasser Mückenschwärme, die gerade geschlüpft waren und uns daher noch nicht gefährlich wurden.

Die Fahrt führte durch Wald, immer wieder tauchten ufernah Eisvögel auf. Wir erreichten Golub-Dobrzyn. Die Städte Golub und Dobrzyn wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg eine Stadt. Die Drewenz trennt heute die Stadtteile Golub und Dobrzyn. Früher trennte sie zwei Städte und Länder, entweder gehörte ein Teil zu Preußen oder zu Polen.

Auf der kommenden Fahrt gab es Abfahrten und kleines Wildwasser, das in der Sonne perlte. Wir übernachteten auf einer in der Flusskurve liegenden Wiese, nachdem wir lange keinen Ausstieg gefunden hatten, da die Böschung zwei Meter steil nach unten fiel. (km 25)

Wir hatten zweimal an Wehren unser Boot in Lubicz Dolny umzutragen. Das erste Mal waren es gut hundert Meter über eine steile Böschung bei einer Fischzucht und kurz danach noch einmal soviel an einer alten Mühle.

Der Biwak an der Mündung zur Weichsel liegt sehr schön auf einem Hügel unter Bäumen. Nicht weit davon entfernt ist eine Burgruine. Aber es gibt keinen Ausstieg für unser Boot. So fuhren wir noch an diesem Tag bis Torun. Erstmal landeten wir auf einer Sandbank und mussten wieder zurück in die Fahrrinne.

Wir waren im PTTK Hotel gegenüber von Torun. Abends war sogar ein Biber am Weichselufer. Das Wasser der Weichsel lädt nicht zum Baden ein. Torun ist eine wunderschöne mittelalterliche Stadt.

Wir falteten unser Boot zusammen. Das Busunternehmen fuhr mit drei kleinen Bussen und wir brauchten gerade mal etwas über sieben Stunden bis Berlin Zoo. Während wir in Polen über die Landstraßen fuhren und einiges vom Land sahen, fuhren wir ab der Grenze nur noch Autobahn. Durch die Stadtautobahn und die Tunnel ist von Berlin aus dem Auto nichts zu sehen. Wir fragten uns ob die Einwohner von Berlin während unserer Abwesenheit in den Untergrund gezogen waren.